Escort oder Sexworkerin zu sein ist kein normaler Beruf

Independent Escort, unabhängige Prostituierte oder Sexworkerin zu sein ist meines Erachtens kein normaler Beruf. Dagegen spricht die prekäre Situation in der sich Betroffene aufgrund einer Vielzahl von komplexen Vorurteilen und tendenziellen Zuschreibungen befinden.

Dadurch wird eine regelrechte berufliche Etablierung verhindert. Aber auch die Abgrenzung zur industriellen und Straßenprostitution ist kaum möglich obwohl es sich um ganz unterschiedliche Tätigkeitsbereiche handelt.

Sexworkerin zu sein beschreibt keinen Beruf, wie jeden anderen, sondern eher einen Zustand, der mit Argusaugen von Außen in einer geradezu psychopathologisierenden Tradition des abweichenden Verhaltens betrachtet und mit diskreditierenden Zuschreibungen verkleidet wird. Hinter einer Sexworkerin verbirgt sich kein verbriefter Berufsstand, den jeder unter objektiven und seriösen Bedingungen irgendwo angeleitet erlernen könnte. Die Sexarbeit, wenn man diesen Begriff verwenden möchte, begründet sich in einen Selbstzweck auf Nachfrage und wird nicht unbedingt in der Mitte der Gesellschaft angesiedelt. Der Status der Sexarbeiterin kann aber je nach Zielgruppe variieren. Die prekäre gesellschaftliche Lage ist aber immer dieselbe.

Auch der Arbeitsbegriff Sexdienstleisterin ist meines Erachtens eher eine Verhöhnung, denn wer mit Sexarbeit zu tun hat, der weiß, dass es mit einer beischlafenden Aktion als sogenannte Dienstleistung alleine nicht getan ist. Die Komplexität dieser Tätigkeit im Kontext von Marketing, Kommunikationsfreude, Beziehungsarbeit bis hin zur eigenen Psychohygiene steht im krassen Widerspruch zu den Vorstellungen prostitutionskritischer Ansätze. Ich würde die gesellschaftlich relevante Tätigkeit einer Sexworkerin In Bezug auf die vage berufliche Positition vielleicht mit der einer Hausfrau vergleichen. Jedoch ist die Hausfrau monetär in einer noch schlechteren Situation, weil sie nicht so punktgenau für ihre Existenz von denen die sie in Anspruch nehmen und profitieren finanziell entschädigt werden kann. Deshalb ist die Situation der Sexworkerin im vergleich zu der einer Hausfrau für sich genommen eine bessere. Vielleicht führt auch genau dieser Aspekt dazu, dass nicht wenige Hausfrauen zugleich Sexworkerinnen sind.

Aber wenn Escort oder Sexworkerin zu sein kein Beruf ist handelt es sich bei dieser Tätigkeit um Arbeit? Seit der Französischen Revolution und im bürgerlichen Zeitalter ist die Betrachtung der Erbringung von Liebesdiensten neben der psychopathologischen eine zum größeren Teil rein ökonomische und lässt sich mit dem schnöden Begriff Paysex auf einen Nenner bringen. Jedermann denkt in erster Linie an eine bestimmte Art von Geldfluss, wenn von Sexarbeit die Rede ist. Dabei ist es doch eigentlich normal, dass eine regelrechte Arbeit und Arbeitsleistung entlohnt wird. Warum wird die Tatsache, dass die Sexworkerin für ihre Tätigkeit Geld nimmt dazu genutzt diese abzuwerten. Das liegt meines Erachtens daran, weil Minderheiten und Randgruppen nicht die gleichen Rechte und Selbstverständlichkeiten einer bürgerlichen Gesellschaft zugebilligt werden. Die Sexworkerin bleibt in einem voremanzipierten Zustand stecken. Sie konserviert tradierte Vorurteile in ihrer Person und das endet auch nicht nur im Rahmen dieser Tätigkeit sondern wird auf die gesamte Person übertragen. Vor diesem Hintergrund ist die Tätigkeit einer Hausfrau gesellschaftlicher akzeptierter.

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MelKingPoint

Ich bin die Mel und manchmal schreibe ich gerne Texte zum Thema Sexarbeit aus meiner persönlichen Erfahrung und Beobachtung.